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3. Statt der Verwendung von rekonstruierten alten Ritualen werden moderne Neukreationen verwendet. Es werden meist nur vier Feste zu den christlichen Terminen gefeiert, wobei diese auch in geschlossenen Räumen oder an Orten, die keine Heiligtümer sind, begangen werden. Opfer an die Götter finden nicht statt.
4. An die Götter als reale Wesenheiten wird nur in den seltensten Fällen tatsächlich geglaubt. Zuweilen wird ein sächlicher "Urgoth" über den Göttern und Göttinnen angenommen. Entsprechend respektlos wird über die Götter geredet oder geschrieben. Ohne Skrupel legen sich Neuheiden z. B. Götternamen als Nicknamen in neuheidnischen Weltnetzforen zu.
5. Tiefergehende spirituelle und esoterische Lehren (einschließlich der germanischen Tierkreisvorstellungen, Wiedergeburt und Örlög-Karma) werden abgelehnt. Die Runen werden oft gemäß der Ausarbeitungen des vorigen Jahrhunderts gedeutet, nicht nach den Überlieferungen unserer Vorfahren, es wird die These vertreten, sie seien von einem südlichen Alphabet entlehnt; die eindeutige Überlieferung, daß die Runen von den Göttern stammten, wird nicht geglaubt.
6. Die jeweiligen Vereine und Gruppen haben einen hohen Stellenwert. Thinge sind lediglich Mitgliederversammlungen und Vereinstreffen. Wir hingegen begreifen das Heidentum als vereinsunabhängig und organisieren es auf die alten Thingplätze unserer Vorfahren. Vereine sind für uns lediglich Interessengruppen, nicht Selbstzweck.
Wir erforschen und gehen den uns von unseren Vorfahren überlieferten Weg, weil wir glauben, daß sie uns in spiritueller Hinsicht weit überlegen waren, daß viele von ihnen noch Götter und Geister wahrnehmen konnten, was heute nur noch für sehr wenige Menschen gilt. Daher sind ihre Überlieferungen keine Spekulationen über Sinn und Beschaffenheit der Welt, sondern lebendige und überprüfte Offenbarungen, auf die wir uns sicher verlassen können. Es ist der bewährte Weg, der ganz sicher zum Ziele führt, während es bei neuen Wegen nicht klar ist, wohin sie wirklich führen.
Nachahmer und Trittbrettfahrer
Seit einiger Zeit wirbt der deutsche Ableger der rechtsextremen britischen Neopagangruppe "Odinic Rite" mit dem Untertitel: >Traditionelles germanisches Heidentum in heutiger Zeit<. Die Vorstellungen und Rituale dieser Gruppe allerdings, so wie sie in deren Ritualbuch veröffentlicht wurden, sind sämtlich Neuschöpfungen, nur bei einem kleinen Teil (etwa 1/5) werden auch überlieferte Texte, meist aus der Edda, verwendet. Deswegen kann man hier eindeutig nicht von "traditionellem", also "überlieferten" Heidentum sprechen. Neben den Göttern spricht diese Gruppe auch von einem diffusen "Göttlichen", z. B. in ihrer Werbebroschüre:
»In der Vielfalt und Verschiedenheit der Natur zeigt sich das Göttliche als eine Vielzahl verschiedener Gottheiten«.
Der erst vor einiger Zeit gegründete Verein "Kulturgeister" wirbt mit dem Untertitel >Dachverband für traditionelle Naturreligion<. Dieser Verein ist aber weder ein Dachverband, noch vertritt er "traditionelle" Naturreligion. Das wird bereits in seiner Präambel deutlich, in der von einem Monotheismus (Eingottglaube) ausgegangen wird, der den traditionellen Naturreligionen fremd ist:
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