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Von Allsherjargode Géza von Neményi
Trojaburgen (Labyrinthe) sind niedere, runde, scheinbar labyrinthartige, tatsächlich aber schlingenförmige nach innen führende Steinreihen oder Linienreihen, die als Kultplätze in ganz Europa, Deutschland, Frankreich bis Rußland (Weißes Meer), Italien (Krug von Tagliatella, Wandzeichnung aus Pompei) und auf den griechischen Inseln, kretische Kultur (Münze des 5. Jhs. von Knossos auf Kreta, Tholos von Epidauros 1500 v. Ztw.) vorkommen. Besonders häufig findet man sie in Skandinavien (Insel Wier, Wisby auf Gotland, Trelleborg, Trelleborgs Schloß bei Ulmekärr/Tanum, Kärra). Ihre Nähe zu Gräbern und Siedlungen läßt sie auf die Jungsteinzeit hin datieren. Auf einem jungsteinzeitlichen Felsbild von Ekenberg, Norrköping (Östergötland) und auf der Wand eines irischen Grabes der Jungsteinzeit (2000 v. Ztw.) finden wir sie dargestellt.
Auch das Christentum hat Trojaburgen übernommen. Im Mosaikpflaster vor dem Hochaltar der Kirche St. Vitale in Ravenna finden wir sie, aber auch im Bodenmosaik der (normannischen) Kirchen Notre Dame de Chartre, der Kathedrale von Sens (Durchmesser 20 Mtr. 1768 zerstört), der Kathedralen von St. Omer, St. Quentin und St. Bayeux oder von St. Severin in Köln. In Handschriften finden wir sie als die sieben Mauern von Jericho usw.
Volkstümliche Namen der Kultlabyrinthe sind: Trojaburg, Trelleborg, Trelleborgs Schloß, Trojeborg (Skandinavien), Troytown, Walls of Troie (England), Irrgarten, Schnecke, Riesen-, Nonnenhege, Jungferntanz, Schwedenkreis, -tanz, Labyrinth, Schalkenburg, Windelbahn, Zerstörung Jerusalems, -Babylons, Stadt Jericho, Ninive.
Zahlreiche Mythen liegen den Trojaburgen zugrunde. So belagerte Odysseus Troja und eroberte es, indem er seine Krieger im „Trojanischen Pferd" versteckte. Dabei soll er (oder Palamedes) auch das Gänsespiel (ein Ableger der Trojaburg als Brettspiel) erfunden haben.
Auf dem Krug von Tagliatelle ist neben einer Trojaburg der Raub der Helena dargestellt, die Inschrift lautet „troie". Tyndareus Gattin Leda ward von Jupiter in Gestalt eines Schwans besucht und gebar hierauf zwei Eier. In einer anderen Fassung verwandelte sich Nemesis in eine Gans (Gänsespiel), um den Wünschen des Jupiter zu entgehen und wurde von ihm in Schwanengestalt überwunden. Sie gebirt ein Ei (Osterei), welches ein Schafhirte (Schäfertanz) auf einer Wiese gefunden und der Leda gebracht hat (Ostereisuchen). Daraus ging später Helena hervor.
Auch der Raub der Ariadne oder der Griseldis sind Trojaburg-Mythen, sowie der Mino-Taurus.
Bei den Celten finden wir den Raub der Tochter Balars durch den Gott Lugh. Bei den Germanen finden wir die Erweckung der Sigrdrifa, der Menglöð, der Gunnlöð oder der Gerðr, auch die Erweckung des Dornröschens oder des Schneewittchens.
Die Urform dieses Frühlings-Mythos ist die Erweckung der schlafenden Frühjahrsgöttin (Freyja-Ostara) durch den kriegerischen Sonnengott des Frühlings (Týr), der sie aus der Wintergewalt dadurch befreit, daß er die Bahn der Sonne im Labyrinth durchwandelt (Sonnentanz). In der jüngeren Edda wird die Götterwelt Ásgarðr mit Troja gleichgesetzt. Der Name „Troja" wird von altlat. „truare" = sich tummeln, sich balgen, abgeleitet. Im Kult wird der Mythos von Kultspielern nachvollzogen, als Mysterienspiel mit Vollziehung der heiligen Hochzeit (geschlechtliche Vereinigung). Im Märchen ist daraus der berühmte Kuß des Dornröschens geworden, Kinder tanzen noch heute „Dornröschen war ein schönes Kind" oder „Anna (bzw. Mariechen) saß auf einem Stein". Im Mittelalter war der Schlangentanz („Polonaise") durch die Trojaburg als Tanz „Troie" bekannt. Den „Windeltanz" führen alle drei Jahre die Schuhmacher in Stolp, Pommern zu Pfingsten auf. Voran durchläuft der Maigraf im schwäbischen Kiebitzschritt die Bahn, zwei Schäfer (daher auch: Schäfertanz) durchlaufen die Bahn ebenso von den beiden Enden. Wenn sie sich begegnen, tritt einer die Bahn an den andern ab. Auch zwei Harlekine, Bruder „Ärmel" und Bruder „Halbsiden" fehlen nicht. Der Bezug zu den Schuhmachern rührt daher, daß der Fuß/Schuh als Zeugungssymbol gilt (vgl. das Märchen „Aschenputtel"). Auf dem Hausberg bei Eberswalde war es üblich, daß derjenige Junge, der den Wunderkreis am schnellsten durchlief, mit Ostereiern beschenkt wurde. Die Trojaburg von Steigra wird jedes Jahr von den Konfirmanden neu ausgestochen. Bekanntlich werden die Konfirmanden am Sonntag nach Ostern („weißer Sonntag") feierlich in die Gemeinde aufgenommen. Auf dem Felsbild von Ekenberg, Östergötland finden wir das Mysterienspiel dargestellt. Unten hält ein Mann die Trojaburg hoch, oben finden wir Tänzer in einer Reihe, der in der Mitte hält ein Götterbild in die Höhe. Auf den Färör tanzte man früher zum Gesang des „Sjurðar kvæði" (Sigurdslied) den „ormen longe" (langen Wurm, eine Schlange) durch die Trojaburg, wobei ein Vorsänger extra stand, während die Tänzer den Kehrreim sangen. Man hielt sich seitlich mit der Hand und ging immer zwei Schritte vorwärts, einen zurück.
Bei einigen Osterfesten der GGG hatten wir auf den Waldboden mit hellem Sand eine einfache Trojaburg errichtet und sie mit dem Sigurdlied durchtanzt. Man hatte früher diese Labyrinthe auch knieend durchschritten und konnte sich dafür etwas wünschen. Beim Kult wird ein Mädchen als Ostara in die Mitte gesetzt, welches Ostereier austeilt. Der Eingang der Trojaburg soll möglichst im Westen liegen.
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