|
Von Allsherjargode Géza von Neményi
Ein wichtiger Bestandteil der heidnischen Jahresfeste ist das Opfer. Waren früher oft Tieropfer üblich, so sind es heute meist andere Gaben. Die Opfer wirken auf dreierlei verschiedene Arten. Einmal sind Opfergaben an die Götter Geschenke, die die Götter für uns günstig stimmen sollen, vergleichbar etwa Gastgeschenken, die man mitbringt, wenn man irgendwo eingeladen ist. Hierbei tritt auch besonders der Wert der Geschenke in den Vordergrund. Wir erhalten für ein Geschenk, natürlich viel weniger Dank, wenn es ein Billigprodukt aus dem Supermarkt ist. Ja, es kann sogar vorkommen, daß sich der Beschenkte über ein derartiges Geschenk ärgert. Im Gegensatz zu Menschen wissen die Götter, woher die Gabe stammt und mit welcher Intention wir sie beschafft haben. Auch unsere Gedanken können von höheren Wesen erkannt werden. Wenn wir also selbst von dem Wert eines Geschenkes, einer Opfergabe, nicht überzeugt sind, dann erfahren dies auch die Götter. Darum kommt es darauf an, daß wir wertvolle Gaben besorgen, von deren Wert auch wir selbst überzeugt sind. Dies ist übrigens auch der Grund, warum man nicht feilschen soll, wenn man Gegenstände kauft, die man für kultische Zwecke benutzen möchte. Denn beim Feilschen macht man den Gegenstand schlecht, um den Preis herabzudrücken. Diese negativen Gedanken bleiben dann an dem Gegenstand haften.
Wir leben in Reichtum und Überfluß, und daher ist eine wertvolle Opfergabe auch eine Dankesspende an die Götter, die uns diesen Reichtum beschert haben.
Die zweite Wirkungsweise der Opfergaben hängt mit dem Od, der Aura oder der Schwingung der Gaben zusammen. Denn die Götter wirken auch in den ihnen geweihten Dingen. Wenn man ein Brot aus Roggen opfert, dann ist damit eben auch die Kraft der Göttin, der der Roggen geweiht ist, anwesend, also der Frigg. Wenn dann die Teilnehmer des Festes etwas davon essen, dann haben sie diese Kraft in sich und so wirkt die Gottheit auch in ihnen und aus ihnen heraus. Da je nach Jahreszeit verschiedene Gottheiten angerufen werden, die jeweils in der Natur wirksam sind, können auch die Menschen so diese jeweilige Kraft aufnehmen und sich in den Cyclus der Natur integrieren.
Bei Gebildgebäck geht es nicht so sehr um die in den Dingen enthaltene Kraft, sondern um die Form, mit der wir bestimmte mythologische Vorstellungen verbinden. Hier entscheiden also unsere Gedanken über Wert und Bedeutung der Opfergabe.
Zuletzt ist die Abgabe von Energie (in den Opfergaben gebunden) in die geistige Welt auch ein Eingriff in das Gleichgewicht. Die geistige Welt strebt einen energetischen Ausgleich an und gibt entsprechend Energie zurück. Da die Energie der geistigen Welt viel höherwertig ist, profitieren alle Festteilnehmer davon.
Die Opfergaben richten sich meist nach dem jeweiligen Jahresfest, nach den Gottheiten oder der Jahreszeit. In den Heften zu den Jahreskreisfesten (Hefte 20 bis 27 der Germanischen Reihe) und im Buch „Götter, Mythen, Jahresfeste" sind die entsprechenden traditionellen Gaben aufgeführt.
Die Opfergaben werden nach der Anrufung der Götter und vor den Opferbitten der einzelnen Festteilnehmer auf den Altar gelegt. Legt man sie schon vor Beginn des Festes auf den Altar, dann hat dieser für andere Kultgegenstände keinen Platz mehr. Falls es während des Festes regnet, dann besteht die Gefahr, daß Gebildgebäck aufweicht. Außerdem ist es nicht sinnvoll, vor der Anrufung der Götter die Gaben niederzulegen. Man überreicht ja auch Geschenke an Freunde persönlich und legt diese nicht anonym ab, bevor die Freunde kommen.
Bei den Opfergaben kommt es auch sehr auf die Form an, in welcher wir sie präsentieren. Grundsätzlich gilt, daß Opfergaben in kleinen Körben oder Tongefäßen aufgestellt werden sollen, nicht in Plastiktüten oder -schalen oder in ihrer Verkaufsverpackung. Der Grund ist einfach: Die Opfergaben sollen etwas besonderes sein, etwas nicht alltägliches. Wenn die Festteilnehmer auf den Altar sehen, dann würden dort bedruckte Verpackungen und dergl. sehr stören und die Gedanken wieder auf den Alltag lenken. Außerdem ist die Schwingung von Plastik oder Papier viel niedriger als die von „echten" Materialien.
In der Mitte des Altars steht ein flacher großer Korb. In diesen tut jeder Festteilnehmer, wenn er seine Opfergaben zum Altar bringt, den „Götterteil". Der Götterteil ist derjenige Teil der Opfergaben, der später an versteckter Stelle im Heiligtum niedergelegt werden wird und der nur für die Götter bestimmt ist. Aus diesem Korbe etwas herauszunehmen, ist absolut nicht zulässig. Der Götterteil ist etwa 1/3 der Opfergabe. Wenn man also z.B. ein Brot opfert, dann breche man 1/3 davon ab und lege es in den Korb in der Mitte. Den Rest lege man auf ein kleines mitgebrachtes Küchenbrettchen (dieses selbstverständlich ohne irgendwelche Aufdrucke). Wenn man z.B. drei Äpfel opfert, dann lege man einen als Götterteil in den Korb in der Mitte, die anderen beiden in einen kleineren Korb auf den Altar (damit sie nicht fortrollen). Selbstverständlich nimmt man den besten Apfel als Göttergabe. Körner kann man im Leinenbeutel oder in einem Tongefäß hinstellen. Sie können während oder nach dem Opfermahl auf dem Kultplatz verstreut werden. Die kleinen Gefäße oder Körbe kann man am Ende des Festes (leer) wieder mit nach Hause nehmen.
Damit die Opfergaben wirklich auch etwas besonderes sind, achte man darauf, daß man nur beste Qualität beschaffe. Statt der chemiegetränkten und genmanipulierten Supermarktlebensmittel nehme man Ware aus dem Bioladen oder aus dem eigenen Garten. Statt einfachem Kaufkuchen backe man selber (mit entsprechend hochwertigen Zutaten) usw. Das ist zwar teuerer und aufwendiger, aber damit auch ein höherwertigeres Opfer, eben wirklich ein Opfer. Außerdem erfordert es auch eine längere Vorbereitungszeit und somit bewirkt es auch eine geistige Einstellung auf das Fest. Nichts ist schlimmer als sog. Opfergaben, die man auf dem Rückweg von der Arbeit noch schnell irgendwo erstanden hatte, um dann zum Fest zu hasten.
Nicht als Opfergaben zugelassen sind Exotenfrüchte wie z.B. Kartoffeln, Tomaten, Bananen oder Orangen. Auch verarbeitete Früchte im Glas (Marmelade, Gurken usw.) sind nicht zugelassen. Bei gekauftem Gebäck achte man darauf, daß keine Schokolade enthalten ist, außerdem sollten nicht giftige Zusatzstoffe enthalten sein (E-Nummern). Das Opfer von einzelnen Fleischstücken ist nicht überliefert. Es wurde immer ein ganzes Tier geschlachtet und zubereitet, niemals wurden einzelne Stücke geopfert. Wer glaubt, noch schnell vor dem Fest ein halbes Hänchen von der Imbißbude zu kaufen, um seine Opfergaben aufzuwerten, der irrt. Seltener ist auch das Opfer von Fisch bezeugt, obwohl es eigentlich mehr im Hause stattfand. Hier muß dann aber ein ganzer Fisch besorgt werden, mit entsprechender Schale als Unterlage (damit das Fischwasser nicht über die anderen Gaben und den Altar läuft). Der Fisch kann über dem Opferfeuer gebraten werden, der Fischkopf bleibt als Götterteil.
Das Opfermahl ist ein Gemeinschaftsmahl, d.h. sobald die Opfergaben auf dem Altar niedergelegt sind, handelt es sich um Gaben für alle: Für die Götter und die Festteilnehmer. Es ist aber trotzdem selbstverständlich, daß man von den Gaben, die man selbst geopfert hatte, auch selbst ißt. Ich entwerte ja meine Gaben, wenn ich sie niederlege und dann aber andere Gaben zuerst esse, weil sie mir besser schmecken oder gefallen (d.h. meine Gaben schmecken nicht). Man opfere etwa soviel Gaben, daß es für den Götterteil und für das Opfermahl reiche, d.h. wenn der Götterteil niedergelegt ist, muß noch mindestens so viel übrig bleiben, daß man selbst es auch verzehren kann. Besser ist es, diese Menge mit hochwertigen und teuren Opfergaben einzuhalten als eine viel größere Menge billiger Opfergaben auf den Altar zu legen. Es wird nichts zurück nach Hause genommen, sondern auch die Reste der Opfergaben werden am Ende in den Korb mit dem Götterteil getan und vom Goden niedergelegt.
Will man Butter oder Schafskäse opfern (sofern es zum Fest paßt), dann nehme man nur die Menge, die man auch nach oben Gesagtem verbraucht. Es ist nicht gut, wenn viele Festteilnehmer jeweils ein Pfund Butter mitbringen, was sie gar nicht verbrauchen können. Die Opfergaben werden im Heiligtum niedergelegt und da ist zuviel Butter (oder z.B. auch Weißmehl) gar nicht gut. Es ist nicht statthaft, Opfergabenreste wieder mit nach Hause zu nehmen, nur in ganz wenigen Ausnahmefällen dürfen Gaben im Heiligtum geweiht und dann nach Hause genommen werden. Dazu gehört z.B. die Weihe von Kerzen zu Fasnacht (Lichtmeß). Auch hier gilt: Bienenwachskerzen sind teurer und haben eine höhere Schwingung als Paraffinkerzen. Man kann auch Opferkerzen im Heiligtum entzünden und brennen lassen. Dann muß aber dafür gesorgt sein, daß kein Brand entsteht (Unterlage) und es dürfen nur Bienenwachskerzen sein, da Paraffin ein chemischer Stoff ist, der nicht in die Natur gehört. Er steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Massive Bienenwachskerzen brennen auch viel länger.
Beim Trankopfer ist es so, daß hier möglichst nichts übrig bleiben sollte. Es ist überliefert, daß die Männer Bier zum Fest bringen mußten, und zwar soviel, wie sie selber (und ihre Frau) tranken. Auch hier gibt es einen Götterteil, der in Form der Gemeinschaftshörner getrunken wird. Wenn nichts anders abgesprochen wurde, dann bringe jeder also soviel Bier mit, wie er selbst trinken will und dazu einen Anteil an den Gemeinschaftshörnern, also z.B. insgesamt 1-2 Ltr. pro Mann. Das Bier wird in den Kessel gegeben und daraus werden die Gemeinschaftshörner und die Einzelhörner gefüllt. Um die Schlepperei mit den Flaschen zu sparen, haben sich die 1 Ltr.-Dosen von Faxe gut bewährt, oder - wenn man sich darauf einigt - werden 5 Ltr.-Dosen besorgt. Hierzu sollte jeder Teilnehmer eine Geldspende geben, die auch Opfergabe ist.
Nicht zulässig ist das Opfer von Wein oder Spirituosen, mit Ausnahme von Met. Kaufmet ist allerdings mit selbstgebrautem germanischen Met geschmacklich nicht zu vergleichen; Kaufmet wird nach deutschem Gesetz mit viel zuviel Honig produziert, so daß ein süßliches Honiggetränk, aber kein Met, entsteht. Außerdem wird dieser Kaufmet oft mit Wein verdünnt (was nicht deklariert wird).
Das Getränk richtet sich nach den Gottheiten und dem Fest. Beim Erntefest trinkt man z.B. dunkelgebrautes Erntebier, welches die Kräfte der Erdgöttin und des Himmelsgottes enthält, auch bei Festen, in denen der Donnergott im Mittelpunkt steht, ist Bier das Getränk. Es ist ein Irrtum anzunehmen, die Germanen hätten viel Met getrunken. Met war viel teurer und seltener als Bier. In jedem Fall empfiehlt sich ein Blick in die Festhefte.
Nachdem alle ihre Gaben auf den Altar gelegt haben, finden die Opferbitten der einzelnen Festteilnehmer statt. Sie treten der Reihe nach einzeln vor den Altar und halten ihre Hand über die Gaben. Dann beten sie leise zu den Göttern. Agrippa von Nettesheim schreibt (De occulta Philosophiae, Lib. III, Cap. 60):
>Wir wollen nun sehen, welche Gebetformeln die Alten mit ihren Opfern und Opfergaben verbanden. Jeder, welcher der Gottheit etwas darbrachte oder opferte, sprach nemlich ungefähr Folgendes:
Ich, dein Diener, opfere und weihe dir dieses, ich bekenne dich als den Urheber der Heiligkeit, ich rufe dich an, daß du diese Gabe heiligest und die Kraft deines hohen und glorreichen Geistes verleihest, damit wir durch sie erlangen, um was wir bitten. Wie diese gegenwärtige Sache, indem ich sie darbringe, dein wird, daß sie von nun an dir lebt und stirbt, so möge auch ich der Deinige werden, da ich durch diese Gabe, durch das, was ich dir zu opfern und zu weihen vorhabe, als deinen Diener und Verehrer mich bekenne. (...) Es war auch Sitte, daß während des Gebetes alle Diejenigen, für welche das Opfer stattfand, und die daran Theil zu nehmen wünschten, den Altar mit den Händen berührten, weil das Gebet allein nicht genügt, sondern der, welcher betet, auch den Altar mit den Händen berühren muß.<
Im Volsa-þáttr ist der Spruch
>Nimm an, ... das Opfer<
überliefert, den alle Teilnehmer dann sagten, wenn ihre Opferbitten zu Ende waren.
Beim Opfer im Hause, meist an Nornen und Disen, lasse man die Opfergaben über Nacht stehen. Am nächsten Tag kann man sie z.B. an einem besonderen Baume in der Nähe niederlegen.
|