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Germanische Glaubens-Germeinschaft

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Mittsommerkräuter



Von Lagkona Catrin Wildgrube

Die Sommersonnenwende ist einer der wichtigsten Tage für das Sammeln von Heil- und Zauberkräutern. Besonders interessant sind die Pflanzen, welche noch in ihrem Namen darauf hinweisen, daß sie zur Mittsommerzeit eine wichtige Rolle spielen. Oft sind diese Namen nur noch im Volksmund bekannt, oder sie wurden durch christliche ersetzt. Das trifft vor allem für die Kräuter zu, welche mit „Johannis-„ beginnen. Der Johannistag am 24. 6. ist ja bekanntlich der christliche Ersatz für das alte Mittsommerfest am 21. 6., und hinter Johannes verbirgt sich in erster Linie der Sonnen- und Lichtgott Baldr, aber auch der Gewittergott Þórr. Hier folgen nun die bekanntesten Sonnwendpflanzen:

Sonnwendkraut

Dieses Kraut führt auch die bekannten Namen „Johanniskraut" und „Hartheu". Weitere wichtige Namen sind „Hexenkraut", „Frauengliester", „Unserer lieben Frau Gras" oder „Unserer Frau Bettstroh". Diese weiblichen Bezeichnungen zeigen, daß das Sonnwendkraut der Göttin Freyja geweiht ist; außerdem dem Gott Baldr. Das Kraut muß entweder in der Mittsommernacht oder in der Mittagsstunde der Sonnenwende gesammelt werden. Wer es in der Nacht blühend findet, der wird reich und glücklich, da es die in der Dunkelheit scheinende Sonne darstellt. Die Pflanze ist Bestandteil des „Sonnwendbüschels", das meist aus neunerlei verschiedenen Kräutern besteht, z.B. aus Frauenhaar, Sonnwendkraut, Marguerite, Thymian, Vergißmeinnicht, Bocksbart, Dotterblume, rotem Klee und Haselzweigen. Man kann die Kräuter essen, einen Tee daraus bereiten, sie gegen Blitz und Sturm räuchern, sie gegen Gewitterschäden aufs Dach werfen oder sie einfach aufhängen, um vor bösen Geistern geschützt zu sein.

Wenn man die Blütenknospen des Sonnwendkrautes zerreibt, tritt roter Saft hervor, welcher als die Tränen oder das Monatsblut der Göttin Freyja gedeutet wird. Die Pflanze vertreibt alle bösen Geister, ob aufgehängt, unters Kopfkissen gelegt oder geräuchert. Auch wird sie im Liebeszauber und -orakel verwendet. In der Heilkunde nimmt man sie gegen Wunden, Blutflüsse, Blutarmut, Gelbsucht und Schwindel.

Sonnwendgürtel

Man kennt dieses Kraut vor allem unter dem Namen Beifuß. Beim Sprung übers Mittsommerfeuer gürtet man sich mit der Pflanze und wirft sie anschließend in die Flammen, so bleibt man ein Jahr gesund. Auf diese Weise werden nämlich die Krankheitsdämonen in den Gürtel gebannt und dann im Feuer verbrannt. Der Sonnwendgürtel heißt auch „Himmelskuh" und weist somit auf die Göttermutter Frigg hin, der die Kuh heilig ist. Bei den Griechen hieß das Kraut „Artemisia" nach der Göttin Artemis. Es vertreibt Dämonen und wendet den bösen Blick ab. Im altenglischen Kräutersegen wird es die „Mutter der Kräuter" oder auch „Machtwurz" genannt. Es verleiht Kraft, schützt im Schuh oder am Bein getragen vor Müdigkeit (daher der Name Beifuß), und erweitert das Bewußtsein. Auch im Liebeszauber und in der Wahrsagerei wird es verwendet. Es ist ein typisches Frauenkraut, darum nimmt man es zur Regelung der Monatsblutung und ebenso bei schwieriger Geburt. Zu Mittsommer kann man Kohlen an den Wurzeln der Planze finden, die gegen Fieber und Fallsucht helfen und auch im Liebeszauber verwendet werden.

Sonnwendblume

Sie heißt auch Arnika und symbolisiert mit ihrer großen gelben Blüte die Sonne. Gegen schädliche Geister wird sie in die Felder gesteckt, gegen Gewitterschäden wird sie angebrannt oder unters Dach gelegt. Die Sonnwendblume beschleunigt den Blutlauf, wirkt schmerzlindernd und schweißtreibend. Natürlich muß auch sie am Mittsommertag gesammelt werden, um ihre größtmögliche Kraft zu entfalten.

Sonnwendkerze

Sie heißt auch Königskerze oder Wollblume. Zu Mittsommer tränkt man die Stengel in Öl, zündet sie bei Einbruch der Dunkelheit an und läuft mit ihnen durchs Dorf. Sie ist dem Donnergott Þórr geweiht und heißt deswegen auch „Donnerkerze". Die Pflanze schützt vor Zauber, vor Mäusen (aufgrund ihres starken Geruchs), stillt das Blut und wird zum Bestreichen kranker Körperteile gebraucht; dazu taucht man sie in Osterwasser und fährt dann in Form des Hammerzeichens über das leidende Glied. Dazu wird ein Zauberspruch aufgesagt.

Sonnwendwurz

Dies ist ein Name des Farnkrauts. Um den in der Mittsommernacht gewonnenen Samen ranken sich die verschiedensten Sagen und Zauberglauben, wobei man nie genau weiß, ob es sich hierbei wirklich um das Farnkraut oder um den Rainfarn handelt, welcher gar kein Farnkraut ist, sondern ein Korbblütler. Darum kann man schwer überprüfen, auf welchen „Farn" sich die Mittsommerbräuche wirklich beziehen.